Sonntag, 11. Mai 2014

Godzilla (2014)

Godzilla | 123 Minuten | FSK 12 | USA, Japan, 2014 |
© Warner Bros. Pictures Germany
oder:
Der Tag an dem Aaron Taylor-Johnson stillstand

Ja, das Medieninteresse ist groß. Eines der langlebigsten Franchises der Filmwelt wird reanimiert. Godzilla ist zurück. Nach 60 Jahren erfährt der König aller (Riesen)Monster eine Inkarnation – aus amerikanischer Hand, internationalen Gewässern und mit japanischem Spirit, zumindest dem Regisseur Gareth Edwards nach. Wer meine Themenreihe King Kaiju auf moviepilot verfolgt hat weiß, dass ich Godzilla am liebsten adoptieren würde, nein im Ernst, adoptieren! Nachdem der Roland Emmerich Film 1998 einige Wunden in die Gemüter der Fans gerissen hat, steht der neue nun unter besonderer Beobachtung...nämlich unter der von Kopf & Kino. Für euch habe ich mich durch geschmolzene Uranstäbe gewühlt, Brian Cranston das Händchen gehalten und Godzilla am Schweif gezupft um das Szenario zu verfolgen – in 3D und mit O-Ton...


Story
Japan, 1999. Das fernöstliche Volk hat sich vom Roland Emmerich-Film Godzilla erholt und läutet mit Godzilla 2000: Millennium die vorerst letzte Ära japanischer Godzilla-Filme ein. Zur selben Zeit arbeitet Joe Brody (Bryan 'Heisenberg' Cranston) zusammen mit Ehefrau und Kollegin Sandy (Kurzhaarfrisur-Avantgardistin Juliette Binoche) im japanischen AKW Janjira. Plötzlich: seismische Aktivitäten bewegen sich auf das Kraftwerk zu. Es ist nicht Ottfried Fischer und auch nicht Reiner Calmund, es ist...

15 Jahre später lebt HeisenBrody als kauziger VerschwörungsEremit allein in Japan. Sein Sohn Opel...ach, ähm Ford Brody lebt derzeit als stolzer Soldat, Familienvater und Ehemann mit Krankenschwester Elle (Elisabeth Olsen... ja, die jüngere Schwester der Olsen-Twins) in den Staaten und will seinen Vater aus Japan endlich „nach Hause“ holen. Bei gemeinsamen Nachforschungen im abgesperrten Janjira-Gebiet werden sie vom amerikanischen Militär aufgegriffen. In einem abgeschirmten Militärkomplex treffen sie nun auf Dr. (alle Fans des Originals müssen jetzt schnell ihre Lusttropfen zurückhalten) Serizawa. Dieser klärt uns über Riesenkreaturen, insbesondere das riesige Ungetüm namens Godjira auf, Atombomben und über die Kreatur welche den Janjira-Reaktorunfall verursacht hat und nun im Larvenstadium aus dem Boden ragt. Just in diesem Moment schlüpft der Massive Unidentified Terrestrial Organism, kurz M.U.T.O., zerlegt die Basis und macht sich auf den Weg rund um den Globus... und wird dabei von dem Monster schlechthin verfolgt: G to the O to the D to the... na von Godzilla eben.

Review
Godzilla ist einer dieser Filme, welche ein furchtbar schweres Erbe antreten. Jeder kommende Star Wars-Film hat es nicht leichter. Einen Film für die Fans wollte er machen. Regisseur Gareth Edwards versprach das Erbe Tohos würdig wiederaufleben zu lassen. Doch gelang ihm das?

Zunächst sollen unsere Technik-Afficionados bedient werden. Das Thema 3D ist ein leidiges. Wenn wir bedenken, dass mittlerweile jeder bessere Porno durch 3D mehr Tiefe bekommt, könnte sich das Thema eigentlich schon totgelaufen haben. Solange mich allerdings immer wieder Filme wie Clash of the Titans vor Wut fast in die Sitze sch***en lässt, werde ich auch nicht müde es zu erwähnen wenn die 3D-Brille doch einmal ihre Berechtigung auf der Nase hat. Das 3D ist lupenrein und verleiht räumliche Tiefe. Regisseur Gareth Edwards und sein Team hat hier alles richtig gemacht und verzichtet auf hektische Kameraschwenks, ruckartige Zooms und sorgt dafür, dass auch nächtliche Aktivitäten das nötige Licht abbekommen.

Stichwort „Licht“. So oft wie es dem jungen Soldaten Aaron Taylor-Johnson schwarz vor Augen wird, empfiehlt Kopf & Kino dringend eine neurobiologische Untersuchung. Die Rechnung schickt Monsieur Taylor-Johnson bitte an den Kollegen Max Borenstein, welcher für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Ob nun Borenstein oder sein Kollege Dave Callaham den Vorschlag einbrachten mit dem Auftauchen des Titel(Anti)Helden unerträglich lange zu warten ist nicht zweifelsfrei geklärt. Bryan Cranston drückte es vermutlich schon richtig aus, als er sagte, dass sich Godzilla eines ähnlichen dramaturgischen Aufbaus bediene wie Der weiße Hai. Aber Herr Gott im Monsterhimmel, in einem Godzillafilm will niemand 30 Minuten warten bis das Vieh auftaucht – das war so unter Ishiro Honda, das gilt auch für Gareth Edwards – ja, mensch das wäre sogar so, wenn Roman Polanski persönlich Godzilla und Mothra in einem dramatischen schwarzweißen Kammerspiel über den Sinn und Unsinn von Atomkraft philosophieren lassen würden.

Das erste Auftauchen des M.U.T.O. ließ mir sofort die verwackelten Bilder aus Cloverfield wieder in den Kopf schießen. Die langen (Über)Insektenglieder und das sympathische Lächeln lassen eine Verwandschaft erahnen. Aber eine Eingliederung des Found-Kaiju-Footage in das neue Godzillaversum wird es vermutlich nicht geben. Schade. Irgendwann ist es der Riesenechse im Wasser tatsächlich zu dröge geworden und Godzilla entsteigt dem Wasser, überschwemmt dabei eine Inselstadt und plötzlich kullern dem Autor dieser Rezension zwei Tränen über die Wange, während ihm inmitten von Kollegen ein „woohoo“ entfährt. Dieses runzlige Ungetüm, mit der kurzen Schnauze, kleinen Knopfaugen und tierisch langem Schwanz IST Godzilla. Ja, es ist MEIN GODZILLA. Es ist das Monster das gegen Gidorah gekämpft hat, gegen Destoroyah und gegen verregnete Nachmittage unter der Kuscheldecke.

Obwohl Anspielungen wie Ken Watanabes Figur Dr. Serizawa, das riesige Skelett (aus dem Trailer bekannt) und das Jahr 1954 als bodentiefe Verbeugung (, auf rotem Teppich, mit Feuerwerk) vor dem Original zu verstehen sind, erkennen wir in dem Design und der Rolle des grolligen/drolligen Antihelden den Godzilla der Heisei-Staffel wieder. Schon dieser zeigte sich in Filmen wie Godzilla vs. SpaceGodzilla als Beschützer der Menschen, dem lediglich die Städte zu eng für sein breites Hinterteil waren – in den USA ein weitverbreitetes Problem. An dieser Stelle sei eine Antwort gegeben, dessen Frage ihr aus spoilergründen selbst finden dürft: JA, er tut es und es ist geil!

Der Battle Royal der Riesenkreaturen ist schlicht das was dem G.I.N.O. (Godzilla In Name Only) 1998 gefehlt hat – neben einem Continuity-Posten – und mit aktueller CGI-Technik zur absoluten Güte gereift ist. Wenn Godjira der ollen M.U.T.O.-Pissflitsche seinen Schweif um die Ohren knallt und danach herzhaft in den Gegner beißt, als ob es ein Bic Mac ist, dürfen wir am Ende des Tages sagen: „Danke Gareth Edwards, dafür, dass Du uns Godzilla auf die Leinwand zurückgezaubert hast.“ und „Verdammt nochmal Aaron Taylor-Johnson, warum bist Du in diesem Film mit Elisabeth Olsen verheiratet und in Avengers: Age of Ultron ihr Bruder?“ Ein Sequel ist erwünscht, Mr. Edwards und wenn ich mir den Namen auf dem Glas mit dem Schmetterling so anschaue, habe ich persönlich auch schon eine grandiose Idee was wir mit unseren Ratiopharmzwillingen so anstellen könnten...

Fazit
Gareth Edwards löst sein Versprechen ein und bringt uns einen spirituellen Nachfolger des Toho-Godzillas auf die Leinwand. Andy Serkis hat sich erneut weiße Kugeln an den Strampler geklebt und beweist, dass er der Master of Motion Capture ist. Einen waschechten Kaiju Eiga erleben wir hier nicht. Vielmehr lässt sich der Zuschauer auf einen Katastrophenfilm ein, in dessen Focus menschliche Schicksale stehen, Häuser zusammenfallen und Aaron Taylor-Johnson Kinder rettet – all dies während zwei Straßen weiter Godzilla gegen Riesenparasiten kämpft.

Nach diesem Film machen Kinder in der Grundschule nicht mehr das Seepferdchen, sie machen ihr grün-schwarzes Godzilla-Abzeichen!

In diesem Sinne,
ModellstadtZertrampelndes Cheerio und viel Spaß bei eurem nächsten Film

Euer Rob

Trailer

Was erwartet ihr vom neuen Godzilla? Welche Monster wollt ihr in einem Sequel sehen?

Kommentare:

  1. Da strickt Warner ausnahmsweise mal clevere Trailer, in denen zu keinem Zeitpunkt zu erahnen ist, dass Godzilla nicht das einzige Riesenwesen ist, und gleich in der ersten Rezension, die mir über den Weg läuft, verrät der Kritiker das Erscheinen des MUTO. Nichts für ungut, aber das ist mehr als unschön.

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  2. Hallo Volker,

    wie bereits in anderen sozialen Netzwerken erwähnt, preisen die internationalen Trailer, die Kampagne und das Pressematerial das M.U.T.O. genannte Monster als Widersacher Godzillas an. Regisseur Gareth Edwards äußerte sich dahingehend mehr als einmal in Interviews. Vielmehr möchte ich mich aber dafür bedanken, dass Kopf & Kino deine erste Rezension zu diesem Film war.

    Beste Grüße,
    Der Autor

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