Mittwoch, 7. Januar 2015

Ruhet in Frieden - A Walk Among the Tombstones

OT: A Walk Among the Tombstones | 113 Min | FSK 16
VÖ: 13.11.14 (Kino) / 27.03.15 (Heimkino)
©Universum Film
oder: Anonyme Alkoholiker - Der Film für die ganze (kranke) Familie

Wenn es um abartige Soziopathen geht, widerliches Wetter, Gestalten die äußerlich geleckt sind, aber im Inneren verdreckt... Wenn gebrochene Männer nur noch Schatten ihrer selbst sind...  Wenn die Stadt Dich wie ein Moloch schluckt... dann sind wir entweder in Niedersachen, Sachsen-Anhalt ODER New York. Ex-Cop Matthew Scudder (Liam Neesn) kennt weder den Maschsee, noch hat er schon "eenma Pommes" bestellt, um dann zum "Machdeburjer Dom" zu fahren. Nein, der lizenzlose Privatdetektiv Matt Scudder ermittelt in New York. In einem New York mit viel Regen und komischen Leuten. Er wird von einem Drogenhändler beauftragt, die Mörder seiner Frau zu finden, lernt zwischendrin Ghettokid TJ kennen und verarbeitet immerzu seine Vergangenheit an der Flasche und der Dienstwaffe.

A Walk Among the Tombstones erweist sich als regelrechte Überraschung. Durch das Poster und den deutschen Verleihtitel etwas abgeschreckt - noch einen Actioner mit Liam Neeson, bevor mich TAK3EN enttäuscht, wollte ich mir ersparen - besuchte ich die Vorstellung schlicht aus einer spontanen Reaktion heraus. Ein Glücksfall.

Filme wie Sin City oder Gangster Squad huldigen dem Hardboiled Crime mittels überzogener Stilistik. Sie definieren sich über Ultra-Zeitlupen, digitale Kamerafahrten und einen artifiziellen Look, der sie ganz bewusst irgendwo zwischen Comic und Videospiel verortet. Das macht von Zeit zu Zeit Spaß, genügt dem Fan allerdings so sehr zur Befriedigung wie Methadon dem Heroin-Junkie. Der Hardboiled Crime zeichnet sich eben nicht dadurch aus, dass alle zwei Minuten irgendjemand eine Gliedmaße verliert. Es ist eine düstere Stimmung, ein beklemmendes Gefühl. Es ist die Tatsache, dass unser Held nicht die ganze Welt rettet, sondern vielleicht nur ein Mädchen, vielleicht auch niemanden und am wenigsten sich selbst.

Was haben ein Block Butterkäse und A Walk Among the Tombstons gemeinsam? Wir finden keine Schnitte und keine Löcher. Zugegeben: Das ist etwas überzogen. Es fällt allerdings auf, dass der Film mehr mit Schwenks denn mit Schnitten arbeitet. Gewalt darf in diesem Genre nie fehlen, sie ist organisch, aber nie Mittel zum Zweck. Ruhet in Frieden ist weder ein Hack'n'Slay-Spektakel, noch ein aufgeplustertes Spektakel (wie beispielsweise Gone Girl - Ein perfektes Opfer).

Fazit
Wer auf ein gritty Setting, gebrochene Figuren und gebrochene Nasen steht, sollte ruhig einen Blick riskieren. Regisseur und Roman-Adopteur Scott Frank liefert mit A Walk Among the Tombstones einen kleinen, feinen Krimi der alten Schule ab - entgegen aller Erwartungen auch ohne Macho-Attitüden oder Testosteron-Überschuss. Ein Kopf & Kino-Filmtipp.

In diesem Sinne,
PrivatDetekteiEröffnendes Cheerio und viel Spaß bei Eurem nächsten Neeson-fall (sind Gags mit Mundart noch legitim?)

Trailer zu Ruhet in Frieden - A Walk Among the Tombstones

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