Freitag, 12. August 2016

Der Bunker (2015)

OT: Die Bunker | 85 Min | FSK 16 |
R: Nikias Chryssos | DEU 2016
VÖ: 22.06.16 (DVD / BD)
Extras: 2 Kurzfilme, Trailershow, Featurettes
© Bildstörung (Alive AG)
oder: Klaus und
die Leistungsgesellschaft

Auslöffler meiner kleinen Meinungssuppe, werden wissen, dass ich nicht nur Übertreibungen neige, ABER, WENN IHR KLEINEN MAINSTREAM-GLOTZER NICHT SOFORT DER BUNKER* VON NIKIAS CHRYSSOS KAUFT, KOMME ICH PERSÖNLICH ZU JEDEM EINZELNEN UND KACKE EUCH LACHEND AUF DEN FERNSEHER, WÄHREND ICH MIT EINEM DOPPELHELIXFÖRMIGEN STRAHL AUF EURE TRANSFORMERS-DVD-SAMMLUNG  PISSE!!! Danke.

Story

Wenn Du Ruhe und Abgeschiedenheit suchst, gehst Du vermutlich in die Bibliothek. Unser Herr Student - auch im Folgenden ohne Namen - kommt dazu einer Zeitungsanzeige nach, die ein Zimmer mit Meerblick, zur Untermiete offeriert. Das Zimmer hat keine Fenster. Es ist liegt in einem Bunker. Und während die humpelnde Mutter wirkt, wie ein Gothic-Flower-Power-Girl, versucht der Vater mit Ostblock-Akzent und fragwürdigem Kleidergeschmack "Herr Student/Professor" davon zu überzeugen, dass das Kind mal Präsident wird. Das Kind by the way, ist Klaus, acht Jahre alt und für sein Alter deutlich zu nicht-acht-Jahre-alt. Der Student kommt dennoch der Forderung nach, den Buben zu unterrichten. Jede Info an dieser Stelle zu viel, würde die Erstbetrachtung zerstören.

Review

Was soll ich sagen? Der Bunker* kommt daher, wie die abstrakte Rettung des deutschen Genrefilms: ruhig, imposant und so aufwühlend-mitreiß...mitzerrend, dass das Ende einzig und allein dadurch unbefriedigend ist, da es eben das Ende der Begegnung mit diesen makabren Figuren bedeutet. Mit Figuren, die so deutlich unsere Gesellschaft karikieren, ohne dabei plump geschrieben zu sein, dass es einen gruselt, wenn uns der ein oder andere Wesenszug allzu vertraut vorkommt.

Vertraut ist einem auch die Kulisse. Nun ist Der Bunker eben nicht der einzige Film, der in einem Bunker spielt. Und obwohl es der Titel vermuten lässt, ist das nicht das entscheidene Merkmal der Story, obgleich es immer zwangsläufig einen beklemmenden Effekt hat, wenn das Bild in so einer Kulisse, zu einer Halb- oder Totalen aufzieht. Im Gegenzug dazu, sind die Close-ups fast schon geizig eingesetzt. Ich stelle mir vor, wie Chryssos seinem Bildgestalter Matthias Reisser auf die Finger geklopft hat und knurrte: "Nnnneeee!!!" Vielleicht war es auch umgekehrt. Ich war schließlich nicht dabei.

Stolze Eltern... und verrückte | Kataskop Filmproduktion
& Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion KG © 2015
Wäre ich aber gerne gewesen. Schon um einen Beweis dafür zu haben, dass Vater-Darsteller David Scheller bitte bitte nur spielt und eigentlich gar kein schnurrbebarteter Bunkeregozentriker ist, oder sein Film-Eheweib Oona von Maydell keine humpelnde Bunkerschönheit, mit dem Potential, ungelöste ödipale Komplexe auzuslösen. Sowieso hab ich in letzter Zeit kaum eine Frau gesehen, die gleichzeitig so furchterregend schön und anmutig gespielt hat, ja, die geradezu so perfekt schön in einem Film war, dass meinem gesunden Menschenverstand das Würgen kommen möchte. Dann schaue ich die Vita von Daniel Fripan durch, Darsteller des 8-jährigen Klaus und stelle mit Erschrecken fest, dass Fripan ja im wahren Leben gar keinen blonden Der-kleine-Lord-Gedenkhaarschnitt hat. Er spielt den, bisweilen nervig-infantilen Spross so artifiziell, dass ich bis jetzt, da ich diesen Review schreibe, nicht einzuschätzen vermag, ob Fripan einen 1,61m-großen Achtjährigen spielt, der aussieht wie ein 30-jähriger, oder, ob er einen 30-jährigen spielt, der 1,61m groß ist und in Kindersachen einen Achtjährigen mimt. Wenn Ihr Euch die gleiche Frage stellt, lasst es mich gerne wissen.

Klaus... verrückt, ich weiß | Kataskop Filmproduktion
& Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion KG © 2015
Und dann kommen wir natürlich zu Pit Bukowski, Herr Student, der als Schauspieler ganz offensichtlich eine besondere Liebe für den neuen deutschen Genrefilm entwickelt haben muss, oder nie den Weg zu Til Schweiger RomComCastings gefunden hat - CthulhuSeiDank. Der Charakter des Studenten, der in der Abgeschiedenheit seine astrophysischen Studien voranbringen will, dann aber mit jeder Merkwürdigkeit mehr, dem geistigen Verfall anheimfällt, erinnert morbid-schizophren-bewemmste Betrachter wie mich, an einen typisch lovecraft'schen Protagonisten. Ich will Autor/Regisseur/Genius Chryssos an dieser Stelle aber keine Inspiration andichten, die er vielleicht gar nicht hatte. Bukowski, der (mich bisher) bereits in Der Samurai* überzeugte, mich allerdings  auch in Lost Place [Review], dank Overacting augenrollend zurücklies, geht in dieser Rolle auf, wie der Rührkuchen meiner Oma und hinterlässt dabei genauso viele feuchte Stellen.

Ebenso wie die Musik. Das was Komponist Leonard Petersen da gezaubert hat und was begleitend zu dem Rotwein durch meinen Kopf fließt, während ich hier sitze und sinniere, ist ruhig, eindringlich und passt so wie Arsch auf Eimer zu Der Bunker, dass man meint, er hätte es nur für diesen Film komponiert. Hat er ja auch. Danke dafür. Der Score ist erfrischend morbide und eindringlich. Fragile Charaktere werden beim Hören sicherlich das ein oder andere Mal lächelnd zur Rasierklinge schauen, oder besonders gedankenschwer in Echtzeitlupe durch den Regen stampfen - was zwar zugegebenermaßen bescheuert aussieht, aber was interessiert uns das!? Der Score liegt der limitieren Sonderedition von Der Bunker* übrigens bei.

Fazit

Der Bunker ist morbide schön; vielleicht die schönste Mischung aus bizarrer Gesellschaftskritik und Indie-Horror die es gibt. Und die einzige.

So, und das möchte ich jetzt bitte irgendwo zitiert haben. Tatsächlich ist Der Bunker ein Paradebeispiel dafür, wie Ressourcen sinnig eingesetzt werden können. Er reiht sich ein, in neue deutsche Genrefilme wie Ich seh, ich seh* und Der Nachtmahr* - ebenfalls Horror-Genre-Hybriden - und ist kein Film für eine Nacht, eher einer für eine ausgedehnte Mindfuck-Orgie im Programmkino.

In diesem Sinne,
InKnickerbockerUndLatzhoseAstroPhysikUnterrichtendUndDabeiSchnurriTragendes Cheerio und viel Spaß bei Eurem nächsten Bunkerbesuch

Euer Rob

Trailer zu Der Bunker


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Disclaimer: Die DVD inklusive Soundtrack-CD wurde mir vom Verleiher Bildstörung zur Verfügung gestellt.

Kommentare:

  1. Just kam sie nach hause, sie war grade bummeln, wurde angesprochen von einem fliegendem händler, der einen prächtigen turban trug, aus irrisierender seide bestückt mit kleinen figuren aus dem kaugummiapparat und bunten bändern die lustig im wind tanzten.... er holte eine dvd raus auf der stand "der bunker"... hmmmm, sagte sie, den mund ganz klein gekrüsselt rechts unten in der kinnecke... "neee... lass mal....kein bock"... hatte sie ihm entgegengeblafft, dann auf dem heimweg noch gesehen wie eine ratte und eine taube sich um einen angegessenen mcdonalds treat gebalgt hatten was darin endete das sie nun verliebt sind. so stand sie da auf der schwelle, schlüssel rein ab in die butze...hmmmmm irgendwas war anders als sonst, dachte sie so bei sich als sie die wohnstube betrat... grübelnd ging sie auf den zugekackten fernsehr zu... hmmmmm.....

    hier stimmt doch was nicht... OH! natürlich!! als wäre es nicht offensichtlich gewesen! *rückt schiefes wandbild mit antlitz des Robert Gryczke zurecht... betrachtet es dann ungefähr 4 stunden mit in die hüften gestemmten fäustchen und nickt dann zufrieden bevor sie die seltsam stinkige flimmerkiste anknipst.*

    gedankenverloren greift sie nach ihrer heissgeliebten transformers dvd sammlung, dem prachtjuwel ihrer sammlung...

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    1. Liebe*r Anonym,

      ich bin entzückt von dieser ausdruckstarken Art; verzaubert von der Art Bilder mit Worten zu malen. Selten mischten sich Eloquenz, Konsequenz und Ekskremente so form- und farbenfroh in einem Kommentar - weder bei Kopf & Kino, noch anderswo denke ich. Ein "Robert Gryczke"-Portrait mag dem einen oder anderen Leser übertrieben erscheinen, ist vermutlich aber die einzig logische Sache, die Mensch als Kopf & Kino-Leser anhimmeln kann. Für so viel Eifer und Einsatz bin ich fast versucht Dir eine von mir handbeschmierte DVD von "Transformers" zukommen zu lassen. Bis dahin aber, möge der Schreibende seine Fäustchen wieder entspannen und seine Wohnung aufräumen.

      Hochachtungs- und hygienisch wertvolle Grüße,
      Rob (Kopf & Kino)

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