Sonntag, 23. Dezember 2012

Universal Soldier: Tag der Abrechnung

(Universal Soldier: Day of Reckoning)


oder:  
Universal Story 4: Day of Re-Cloning
 
Roland Emmerich. Mann. Visionär. Schwabe. Er zeichnet für den Untergang der Erde verantwortlich. Immer- und immerwieder. Sei es durch Aliens ("Independence Day"), Megafrostbeulen ("The Day After Tomorrow") oder Hochwasser im Wohnzimmer ("2012"). Immer ließ er nicht weniger als die totale Apocalypse auf uns los. Doch schon 1992 zeigten sich seine menschenverachtenden Wesenszüge in dem er Jean-Claude Van Damme in einem Film MIT Dialog besetzte. So begann die Geschichte um Luc Devereaux und seine Nemesis, dem Vorzeige-Mad-Man Andrew Scott (Dolph Lundgren). Nebenbei bekam das Publikum einen damals unbekannten Bodybuilder namens Ralf Möller zu sehen. Emmerich erschuf seine eigene Terminator-Version, hatte massig Spezialeffekte zu bieten, doch viel schon damals mit diesem Film bei der Mainstream-Kritik durch. Dennoch reichte es um 1998 für das US-Kabelfernsehen zwei (grottigendämliche) Fortsetzungen in Auftrag zu geben. "US II: Brothers in Arms" & "US III: Unfinished Business" hießen die Filmgurken und beherbergten nicht mal einen Partikel des Casts aus dem Original. 1999 preschte eine weitere Fortsetzung direkt auf die Leinwand. "Universal Soldier: The Return" ignorierte die beiden schwarzen Kabel-Schafe und führte den Originalfilm fort, diesmal wieder mit Van Damme. Obwohl auch dieses vierte Installement des Franchises gnadenlos floppte (10 Mio Einspiel vs. 23 Mio Kosten) war man nicht müde das tote Pferd mit brutaler Beharrlicheit am Leben zu erhalten. "Universal Soldier: Regeneration"  erschien 2009 und ignorierte erneut sämtliche anderen Filme außer dem Original. Auch dieser Film wartete wieder mit Van Damme und Lundgren auf, obgleich beide schon nicht mehr allzu regeneriert aussahen. Dieser spielte zumindest seine Kosten wieder ein und so kann am 24. Januar 2013 auch in Deutschland die Fortsetzung anlaufen. Planet Media Home Entertainment stellte Kopf & Kino freundlicherweise vorab ein Exemplar zur Verfügung. Ob dieser Universal Soldier eine gute Figur abgibt, oder nur brav salutiert? Für Euch habe ich mich ins Heimkinogefecht begeben um es herauszufinden.


Story

John (Scott Adkins) wird des nächtens zu Hause von einer Gruppe maskierter Männer überwältigt und muss kurz darauf mit ansehen wie Luc Deveraux (Van Damme) seine Frau und seine Tochter erschießt. Neun Monate später erwacht er aus einem Koma, leidet an schwerem Gedächtnisverlust und geht auf Spurensuche. Dabei plagen Ihn nicht nur ständige Visionen vom angeblichen Mörder seiner Familie, sondern auch ein UniSol namens Magnus.


Review

Scott Adkins ist ein Garant für gute Actionfilme. Ich bin beileibe kein Fan dieses Mimik-Steins, aber Martial Arts machen bei Ihm Spaß. Wer die Rezension zu "The Expendables 2" gelesen hat, weiß bereits dass Scott Adkins schon bei eben diesem Film völlig unterschätzt wurde. Dort wurde er, zu Gunsten von Van Damme und den anderen Knitterärschen, per Kopf-in-Rotor-Szene, aus dem Skript geworfen. Hier auch mal eine nette Abwechslung Adkins in der Rolle des Protagonisten, ohne russischen Akzent, zu hören. Der Ben-Affleck-Gesichts-Zwilling ist zwar immernoch eher Kämpfer, denn ein ernstzunehmender Schauspieler doch neben Van Dammes mittlerweile eingefrohrenen Gesichtszügen (+ seiner unheimlichen neuen Frisur!) und den anderen Laiendarstellern der Marke "Mitten im Leben", wirkt Adkins wie der junge Hamlet. Aber Butter bei den Fischen: Wegen den Dialogen wollte noch nie jemand "Universal Soldier" sehen. Ja es wird sich geprügelt. Da verliert Hauptakteur John schonmal drei Fingerchen und amputiert als Dank dafür dem Angreifer den halben Fuß. Hand-to-Hand-Combats finden selbstredend entweder in Zeitlupe ODER in Doublespeed statt. Der einzige Grund warum die Kampfsequenzen mit Van Damme und Lundgren nicht vollends zur Lachnummer verkommen. Während Lundgren immernoch beeindruckend böse gucken kann, ist Van Damme schon unglaubwürdig wenn er das rechte Bein nur anhebt. Ohnehin beträgt die Screentime der beiden Ex-Ikonen maximal 20 Minuten - und hätten Sie gar keine, es wäre auch nicht schlimm. Würde man das "Universal Soldier", "Jean Claude Van Damme" und "Dolph Lundgren" aus dem Gesamtkonzept streichen, hätte man immernoch einen soliden Revenge-Actioner mit kruder Story und vorhersehbarem Twist. Hier wird aber krampfhaft versucht dem Universal Soldier - Motiv einen Platz einzuräumen. Ständige Verweise, alberne Logos auf Baskenmützen und zwielichtige FBI - Agenten brüllen es dem Publikum geradzu in die Pupille: "UNIVERSAL SOLDIER SEQUEL - ALLE MAL HERSCHAUEN!" Unnötiger Platz den man super dafür hätte nehmen können um John wenigstens einen Nachnamen ins Drehbuch zu schreiben. Eine Exposition sucht man vergebens. Familienvater ist Johns einzige Daseinsberechtigung. Während die erste hälfte des Filme noch versucht eine Art verworrene Psychostory zu stricken, sieht man in der zweiten Hälfte einen Scott Adkins in Höchstform. Was die deutsche Zensurbehörde offensichtlich störte. Das übliche Debakel. Die FSK 18 - Fassung wurde deftig geschnitten. Leider wurde hierbei kein Wert mehr auf die Ästhetik gelegt. Wer also Interesse an einer Anschaffung hat, wartet, wie gewohnt, auf die Uncut - Scheibe.


Fazit

 
Irritierender Mix aus "Death Wish"-, "Universal Soldier"- und "Total Recall"-Motiven. Alle Fans der Reihe werden sich den Film sowieso holen. Wer schon immer mal Scott Adkins als verzweifelten Good Guy sehen wollte: Hier ist die passende Gelegenheit.
Interessanter Action-No-Brainer mit SlowMo-Attitüde. Action Fans haben Material für einen gepflegt unterhaltenden Bier & Chips - Abend. Wer auf ausgetüftelte Storys steht...liest lieber ein Buch.
 
In diesem Sinne,
soldatenklonendes Cheerio und viel Spaß bei Eurem nächsten Kinofilm.

Euer Robert

P.s.: Vielen Dank an Planet Media Home Entertainment

Trailer


Universal Soldier: Tag der Abrechnung
114 Minuten
FSK 18
USA, 2012

Kommentare:

  1. Heyho,

    kleine Korrektur zu Universal Soldier: The Return ;-) Der Film kam erst 1999 raus und war eine waschechte Kinoproduktion. Sogar in Deutschland mit knapp 160.000 Besuchern. Und bei einem Budget von 24 Mio US $ spielte er weltweit knapp 20 davon wieder ein und das ohne Heimkinoauswertung mit einberechnet. Also gnadenloser Flop ist zumindest zahlentechnisch übertrieben, von der Qualität her, hast du natürlich vollkommen Recht. ;-)

    mit universellen Gruß
    Ralf P.

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  2. Hallo und Grüße vorab lieber Ralf,

    Wie Du siehst sind auch wir FIlmkritiker nicht universal perfekt ;)
    Das Erscheinungsjahr habe ich korrigiert, danke für den Hinweis.
    Das Budget betrug 45 Mio US $ und spielte, zumindest in den USA, 10 Mio US $ wieder ein.
    Bei diesen Relationen, und wenn wir davon ausgehen dass der Film bis heute nicht seine Kosten einspielen konnte, sprechen wir von einem waschechten Flop.
    Ich freue mich aber dass Wir hier so aufmerksame Leser haben.
    Bleibe weiter aufmerksam...

    Es grüßt der Autor

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    1. Hallo Universal Autor ;-)

      Also sowohl Wikipedia (okay nicht immer die zuverlässigste Quelle) aber auch IMDB.com sprechen von ca 23-24 Mio Budget. Weitere Zahlen von imdb belegen 10 Mio Einspiel in den USA, plus 15 Mio aus der Heimkinoverwertung ebenfalls nur USA. Finanziell dürfte sich das Debakel somit in Grenzen halten und wenn wir die internationalen Zahlen noch hätten, dürfte inzwischen sogar der ein oder andere Dollar Gewinn rausgesprungen sein. :-) Schlage als Kompromiss vor, inhaltlich ein Megaflop und finanziell zumindest kein Titanic oder Avatar ;-)

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