Sonntag, 29. Oktober 2017

Sammelboxen im Überblick: Die Rache der Galerie des Grauens (3/4)

Die Rache der Galerie des Grauens
© Anolis Entertainment
Holdrio, wir haben das Finale fast erreicht! Und damit bin ich erfolgreicher, als diverse Fußballvereine. Herzlich willkommen, Madels und Buben, zu dem dritten Teil, meiner kleinen Service-Reihe. Möge Angstschweiß die Kimme herunterlaufen und Erpelpelle die Nippelhütchen wirbeln lassen, denn hier kommt Die Rache der Galerie des Grauens!

Never run a changing system – oder so ähnlich. Bisher hat es gut funktioniert und keiner meiner fünf Leser*innen hat sich beschwert, deshalb behalte ich das System mal bei: Filme in Reihenfolge, Metadaten, schmunzelhafte Inhaltsangabe/Kritik und Kaufgelegenheit. Wie üblich der faire Hinweis: Kauft ihr über den Amazonlink etwas, habt ihr keine Nachteile, aber ich bekomme einen Krümel Provision. Dankeschön.


Die Rache der Galerie des Grauens

Die Rache der Galerie des Grauens umfasst 10 Titel; fast alle als Blu-Ray/DVD-Kombi erhältlich. Und neben echten Kultfilmen wie Schrei, wenn der Tingler kommt und Das Grauen schleicht durch Tokio, gibt es außerdem den oft fahrig übersehenen Krieg im Weltenraum, von Godzilla-Regisseur Ishirō Honda. Na dann – ran ans Büffet!

Der Fluch des Dämonen (1957)
OT: Night of the Demon / Buch: Charles Bennet, Hal E. Chester, Cy Endfield / Regie: Jaques Tourner / 95 Min / FSK 12

Na leck mich Fett! Da legt Die Rache der Galerie des Grauens aber direkt mit einem Überflieger los und verhält sich damit, wie ich mich beim ersten Date: mit einem Knall eröffnen und dann hoffen, dass niemand merkt, wie kostengünstig der Rest ist. Die Adaption der Kurzgeschichte Casting the Runes, beglückt uns, mit der Geschichte von Dr. John Holden (Dana Andrews), der gegen den Sektenführer Julian Karswell (Niall MacGinnis!) ermittelt und letztlich selbst verflucht wird. Ein Brüller – also ein richtig fetziger Heuler, quasi ein Straßenfeger, den uns Regisseur Jaques Tourner da beschert hat. Bedingt durch die Schere zwischen der (äußerst soliden) kriminalfilmhaften Inszenierung und der vergleichsweise ulkigen Monstereffekte, könnte man aus heutiger Sicht sogar eine Art psychologischen Okkult-Thriller unterstellen. Ist er leider nicht. Night of the Demon wurde als astreiner Horrorfilm vermarktet. Die Kurzgeschichte hat indes noch andere Adaptionen erfahren:
  • 1968 als Episode 1 der dritten Staffel Mystery and Imagination
  • 1979 als Episode 9 der elften Staffel ITV Playhouse
  • unzählige Hörspiel-eske Adaptionen fürs Radio
Wenn ihr mich fragt, wartet die Story nur darauf, endlich mal als moderner Okkult-Thriller umgesetzt zu werden. Ich würde mich ja anbieten...




Planet der toten Seelen (1958)
OT: War of the Satellites / Buch: Irving Block, Lawrence L. Goldman, Jack Rabin / Regie: Roger Corman / 77 Min / FSK 12

Uff, okay. Das hier ist schon ein harter Brocken. Denn neben der wackligen 4:3-Optik, gibt es außerdem kaum nennenswerte Effekte, besonders tolle Dialoge, etc. Als die Menschheit beginnt, mit ihren Satelliten, die von innen aussehen wie Single-Apartments, das All zu erkunden, meldet eine außerirdische Intelligenz Bedenken an - per bessessenem Astronauten. Erde doof, Menschen doof, usw. Ist unspektakulär. Nennenswert hingegen, ist die Tatsache, dass für die deutsche Kinoauswertung extra deutschsprachige Szenen nachgedreht wurden. Das ist ein nettes Schmankerl, für einen Film, den man mögen, aber irgendwie nicht lieben kann. Planet der toten Seelen ist so ein wenig, wie das Kindergartenkind, mit dem Bleistift in der Nase: Jeder weiß, dass es sicherlich gute Absichten hatte, aber mehr als ein verschämtes Lächeln, wird man dafür nie übrig haben – glaubt mir *schluchz*.



Schrei, wenn der Tingler kommt (1959)
OT: The Tingler / Buch: Robb White / Regie: William Castle / 81 Min / FSK 12

Und da ist er, der ultimative Grund, sich die Seele aus dem Leib zu quieken. Mach ich nich, versteht sich von selbst! Aber diese ganzen Weichkeksfridolins mit ihren Feel-Good-Kapriolen, schreien ja ganz gerne mal – wenn sie sich Mikrowellenpopcorn machen, den heißen Beutel öffnen und das letzte Korn nachpoppt. Und dann fällt einem die ganze Scheiße vor Schreck auf den nackten Fuß, weil man ja am liebsten barfu... Ja, egal. Jedenfalls geht Vincent Price, als Pathologe Dr. Warren, in diesem Streifen davon aus, dass in jedem Menschen „der Tingler“ lebt. Ein Wesen, dass zusammen mit der Angst seines Wirtes wächst – bis ein erlösender Schrei ihn wieder zurückdrängt. Seine bescheidene Ehesituation (Das Miststück ist arrogant UND megareich) in Verbindung mit seinem Forschungsdrang (Er will den Tingler sehen – sofort!) ergibt in Summe, einen wunderbar schrägen Creature-Krimi erster Güte. Bei den Screenings, wurde damals an einigen Kinositzen die Percepto-Technik angebracht. Einzelne Zuschauer bekamen so, während der Höhepunkte, einen ungefährlichen Stromstoß verpasst. Keine Sorge. Das bekommt hier niemand. Höchstens vielleicht einen Anfall von Mitleid für das ungefährlichste Monster der Filmgeschichte – das irgendwie ganz niedlich ist.




Ausgeburt der Hölle (1955)
OT: The Beast with a Million Eyes / Buch: Tom Filer / Regie: David Kramarsky / 75 Min / FSK 16

Tja und da haben wir die nächste Roger-Corman-Produktion, die das Wort "Qualität" neu definiert – nach unten. Vielleicht macht sie deshalb solchen Spaß. Es liegt jedenfalls nicht daran, dass man den Darsteller-Imitationen bei dem Versuch beiwohnt, eine kalifornische Kleinstadtfamilie darzustellen, die von einem nicht sichtbaren Alien angegriffen wir. Der Besucher ist körperlos und ergreift Besitz von Lebewesen – so wie alle Aliens, wenn das Geld knapp ist. Trotzdem muss man Anolis danken. Ohne die Fürsorge eines treusorgenden Labels, wäre das unterwältigende Filmchen den Archivtod gestorben. Am Ende sind Audiokommentar und Booklet wesentlich interessanter als das Beast selbst. Warum Ausgeburt der Hölle ein FSK-16-Siegel trägt, weiß auch kein Mensch – oder Alien. Immerhin wusste der deutsche Trailer wenigstens, dass man sich den Film nicht entgehen lassen darf.



Im Sumpf des Grauens (1959)
OT: The Alligator People / Buch: Orville Hampton, Charles O'Neal, Robert M. Fresco / Regie: Roy Del Ruth / 75 Min / FSK 12

Und wieder hat Anolis einen Film in seine Obhut gekauft und ihm eine Stimme gegeben. Mehrere. Deutsche Stimmen. Und da der vorliegende, der deutsche Erst-Release ist, zeichnet Anolis auch für den stilechten Titel Im Sumpf des Grauens verantwortlich. Vielen Dank. Jetzt dürfen wir diesen Mutanten-Klassiker, mit Lon Chaney Jr. ohne Maske (!), auch auf Deutsch erleben. Le scénario: Die Suche nach ihrem verschwundenen Ehemann, führt Joyce (Beverly Garland *_*) in die Sümpfe Louisianas. Dort trifft sie irgendwann auf eine zwielichtige Plantagenbesitzerin, einen hakenhändigen Lon Chaney Jr. und natürlich auf einen Wissenschaftler. Gabs in den Fünfzigern eigentlich irgendeinen Wissenschaftler, der nicht mit radioaktiven Strahlen Mist gebaut hat? Zumindest sieht Joyces Mann irgendwann aus, wie Killer Croc aus Suicide Squad. Wer den Film als Krimi mit Creature-Finale sieht, wird Spaß haben. Allein für die drei Minuten Mutantenstadl am Ende, würde es sich nicht lohnen.




Das Grauens schleicht durch Tokio (1958)
OT: Bijo to Ekitai Ningen (etwa "Die Schöne und der Flüssigmensch") / Buch: Takeshi Kimura, Hideo Unagami / Regie: Ishirō Honda / 87 Min / FSK 12

Ein undefinierbarer Schleim, versetzt die Stadt in helle Aufregung. Kein Wunder, denn der radioaktive Glibber zersetzt Menschen. Aber genug von meinem Wochenende, denn in Das Grauen schleicht durch Tokio passiert fast das Gleiche. Godzilla-Vater Ishirō Honda zeigt uns, dass er 87 Minuten mit Glibber füllen kann. Chapeau! Honda griff für diesen Film auf einen seiner Lieblingsdarsteller zurück. Und so dürfen wir, in der Rolle des unterkühlt-zynischen Schleimfall-Ermittlers, Darsteller Akihiko Hirata erleben. Hirata beglückte das Publikum vier Jahre zuvor, als Godzilla-Mörder Dr. Serizawa – und nein, dieses Verbrechen kann man nicht wieder gut machen! Den vorliegenden Film hingegen muss auch niemand wieder gut machen, weil er es schon ist.




Angriff der Riesenkralle (1957)
OT: The Giant Claw / Buch: Samuel Newman, Paul Gangelin / Regie: Fred F. Sears / 74 Min / FSK 12

Irgendwo in NoBudgetstan: Ein intergalaktisches Chicken Nugget mit Glubschaugen und einer Frisur, wie der späte Nick Nolte, knallt mit Überschallgeschwindigkeit, durch die aufgemalte Himmelskulisse einer Trashfilmproduktion. Menschen, die in der Idee einer Nachbildung der Imitation eines Flugzeugs sitzen, machen sich Gedanken darüber, wie sie das UGO (Unbekanntes Glubsch-Objekt) von den gut sichtbaren Drähten pusten können. Derweil notbegattet Machoman Mitch MacAfee das weibliche Personal, bevor ihm der rettende Einfall kommt...

Bitte guckt diesen Film! Mich persönlich hält es da nie im Sitz – nachzuhören u.a. in diesem Clip.




Krieg im Weltenraum (1959)
OT: Uchû daisensô (etwa "Weltraumkrieg") / Buch: Shin'ichi Sekizawa, Jôjirô Okami / Regie: Ishirō Honda / 91 Min / FSK 12

Donnerwetter! Also wer Krieg im Weltenraum bis jetzt noch nicht gesehen hat, sollte diese Perle unbedingt nachholen. Honda bleibt zwar bis in die Gegenwart untrennbar mit Godzilla verbunden, liefert allerdings schon 18 Jahre, bevor Krieg der Sterne ins Kino kommt, einen epischen Science-Fiction-Film ab – mit Elementen, die wir in nachfolgenden Generationen wiederfinden: In der futuristischen Zukunft des Jahres 1965 rücken die Staaten der Erde notgedrungen näher zusammen, als hochentwickelte (und selbstverständlich kriegerische) Aliens die Erde ins Visier nehmen. Detailreiche Miniaturen werden zerstört, Raumschiffe machen sich mit Laserkanonend das Leben schwer und die Nationen der Welt gestehen sich ein, dass zusammen doch cooler ist, als gegeneinander. Aus Krieg im Weltenraum wurde vielleicht nie das erfolgreichste Science-Fiction-Franchise der Welt, aber mit einem bisschen Wohlwollen, ist er sicherlich das einzig wahre Prequel dazu und die Mutter der modernen Space Opera.




Der 27. Tag (1957)
OT: The 27. Day / Buch: John Mantley, Robert M. Fresco / Regie: William Asher / 75 Min / FSK 16

Okay, magst Du The Dark Knight? Erinnerst Du Dich an die Stelle, in der Joker den Passagieren zweier Schiffe die Zündung für einen Sprengsatz auf dem jeweils anderen Schiff überlässt und hofft, dass die Idiot:innen sich gegenseitig in die Luft sprengen. Jetzt stell Dir dieses Szenario vor, aber der Joker ist eine Horde wohlartikulierter Außerirdischer und die Passagierschiffe sind die USA, Russland und die Vereinten Nationen. Et voila: Der 27. Tag. Ist das eine geile Scheiße! Hier wollte wirklich niemand mehr verheimlichen, dass er die Russen doof findet. Anti-Russland-Propaganda vor der Kulisse des Kalten Krieges. Ein Lehrstück. Und ein unterhaltsames noch dazu.
 


Die Schreckenskammer des Dr. Thosti (1956)
OT: The Black Sleep / Buch: John C. Higgins / Regie: Reginald Le Borg / 82 Min / FSK 16

Ach, Gruselklassiker können so schön sein. Es braucht nur einen verrückten Wissenschaftler, gespielt von der Legende Basil Rathbone, und dazu eine Geschichte, um Gehirntransplantiererei. Im Keller hausen missratende Mutanten; Sinti/Roma werden etwas zu unbedarft als windig und verschlagen dargestellt und Bela Lugosi spielt einen Diener, kann dabei aber kaum geradeaus schauen, der arme Mann. Der Originaltitel The Black Sleep klingt etwas galanter und bezieht sich auf eine Tinktur, die im Film eine Rolle spielt; der treffendere Titel ist allerdings tatsächlich der deutsche. Weshalb aus Rathbones Figur Sir Joel Cadman in der dt. Synchro Dr. Thosti wurde - keine Ahnung. Das klingt wie ein ungarischer Anbieter für Salamisnacks, aber doch nicht nach Horror! Egal. Denn wir können uns bei Anolis dafür bedanken, dass es überhaupt eine brauchbare Version der deutschen Tonspur aufgetrieben hat. Muchas danke, dafür. In Summe erinnert Die Schreckenskammer... an solche charmanten Psychopaten wie Doktor Morbius oder den Beklopptenkeller aus Shutter Island. Ich bin Fan.
 


 
To be continued...

Und das war Die Rache der Galerie des Grauens.
 
Ich für meinen Teil, freue mir 'ne neue Körperöffnung, weil die vierte Box gerade veröffentlicht wird! Derweil schiele ich mal rüber, auf die Hammer Edition von Anolis. Denn anständige Veröffentlichungen des britischen Kult-'Studios' sind rar dieser Tage. Und wenn ihr noch mehr Retro-Grusel-Feeling braucht, könnt ihr ja noch mal die drei anderen Beiträge... auschecken (?) - Gott, liest sich das beschissen. Checkt doch die anderen beiden Artikel aus – so, besser!

Sammelboxen im Überblick: Galerie des Grauens (1/4)


Sammelboxen im Überblick: Der Fluch der Galerie des Grauens (4/4)

Habt ihr Bock auf weitere Beiträge dieser Art, oder ist sowieso alles doof und dieser scheiß Kommerz regt euch total auf? Kinders, ich brauche Feedback, Weed, Crack – lasst einfach irgendwas in den Kommentaren.

In diesem Sinne,
MitDemTinglerSchreiendDurchTokioRennenes Cheerio und viel Spaß beim Sammelboxen

Rob

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